Männerliebe macht stark

Die Krieger Spartas und Thebens im antiken Griechenland waren bekannt und gefürchtet: Ihre enorme Schlagkraft – sie blieben oftmals siegreich bei deutlicher numerischer Unterlegenheit – hatte mehrere Ursachen: a) Die Stadtstaat-Armeen von Theben und Sparta bestanden aus Berufssoldaten, d.h. sie standen in ständigem Training, übten sich täglich im Kampf, so wie heute Leistungssportler trainieren. Das war nicht üblich, nur sehr reiche Städte konnten sich so ein Heer leisten. b) Sie waren – aus dem zuvor genannten Grund – gewohnt, extrem diszipliniert und präzise zu arbeiten, konnten verschiedene Strategien mit der Phalanx (Angriffslinie/-formation) in Trainigskämpfen ausprobieren und erlangten so eine ‘handwerkliche’ wie auch ‘taktische’ Überlegenheit am Feld. c) Sie waren und verstanden sich im besten Sinn als Bürger, die Ihre Werte und Rechte ‘verteidigten’, waren von Idealen geleitet, man kann durchaus sagen: philosophisch inspiriert. Ein Zustand, der bei heutigen Armeen nicht mehr vorstellbar ist, realisierbar sowieso nicht. … und d) Die sogenannte ‘Heilige Schar’ war das Eliteheer von Theben, 150 Schwulenpärchen. Die Idee dazu ist einfach zu verstehen: Wer im Kampf auf Leben und Tod seinen am meisten geliebten Menschen neben sich hat, hat was zu verlieren. Alles, nämlich. So jemand wird im Kampf alles tun, um diesen Menschen, um seine große Liebe, zu retten. Er wird gefühlt wahrscheinlich mehr tun, als nur sein Leben einzusetzen, wird über sich hinauswachsen (können), auch, weil er weiß, dass es allen seinen Kollegen genauso geht.

Im Antiken Griechenland war das gesellschaftlicher Normalzustand, es wurde offen und öffentlich über Liebe zwischen Gleichgeschlechtlichen diskutiert, ebenso über Sexualpraktiken und dazu gab es auch entsprechende Gesetze; zB wer wann mit wem aus welchem gesellschaftl. Stand Analsex haben kann / darf – und wer nicht; und dbzgl Ansichten und Gesetze haben sich gelegentlich geändert. Jedenfalls: Man war in dieser Zeit weit weg davon, Liebe und Sex – in welchen Spielarten auch immer – zwischen Männern oder Frauen für etwas Unnatürliches oder Verwerfliches zu halten: ‘Das’ kam erst später – durch Verordnung per Machthaber. Und es gab damals schon Versuche, ein drittes Geschlecht zu beschreiben, ihm ein wahrgenommenes Vorhandensein zuzuerkennen, und ihm – alleine dadurch schon – eine gewisse Wertschätzung entgegenzubringen.

Unser Verfassungsgerichtshof hat nun – entgegen aktueller politischer Tendenzen – den Weg dafür geebnet, dass in rund zwei Jahren die Ehe Gleichgeschlechtlicher rechtlich legitim sein wird und jedenfalls in diesem Sinn als natürlich angesehen werden muss. Die Freude darüber ist – bei allen, die darauf schon lange gewartet haben – natürlich riesengroß, auch meine!

Aber, ich frage mich schon auch ganz trocken:
Was bitte, haben ‘wir’ seit dem Altertum denn weiterentwickelt – für uns Menschen; und nicht gegen uns?