Khol-Lateralschaden in spe

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Für mich ist ganz klar, dass der staatliche Gesetzgeber gegenüber einer höheren Autorität verantwortlich ist. Das ist Gott …
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Andreas Kohl, heute, 13.1.2016 im Standard

Dieser aufgeschlossenen – und im besten Immanuel Kantschen Sinn: aufgeklärten – Haltung haben wir in unserer wunderbaren abendländischen Geschichte nicht wenige große Taten ruhmvoller Heroen zu verdanken:

  • Kreuzzüge ins Heilige Land, in denen und auch auf den Fahrten dorthin, Männer, Frauen und Kinder von Männern abgeschlachtet wurden – auch welche auf der ‚eigenen‘ Seite: man hat es im Eifer halt übersehen – in Berufung darauf, einer höheren Autorität, nämlich Gott, sich verantwortlich zeigen zu müssen.

  • Handelsreisen in der Kolonialzeit, Amerika, Indien, bis zur kleinsten weitestgelegenen Insel, um Reichtum anzusammeln; dabei wurden auch Männer, Frauen und Kinder von Männern abgeschlachtet; in Berufung darauf, einer höheren Autorität, nämlich Gott, sich verantwortlich zeigen zu müssen.

  • Frauen mit roten Haaren als Hexen, die im Bund mit dem Teufel stünden, stigmatisiert, und Männer haben sie mittels Bäckerschupfe oder / und Mühlstein ertränkt; in Berufung darauf, einer höheren Autorität, nämlich Gott, sich verantwortlich zeigen zu müssen.

  • Manchmal hat das erstaunlicherweise doch nicht ganz richtig funktioniert, dann haben Männer diese Frauen am Scheiterhaufen verbrannt; in Berufung darauf, einer höheren Autorität, nämlich Gott, sich verantwortlich zeigen zu müssen.

  • Ganz selten, aber doch, hat auch das nicht funktioniert, dann haben Männer so eine Frau in eine Eiserne Jungfrau gesteckt, ein Eisenkasten mit langen Dornen nach innen: Frau reinstecken, zudrücken, und sich am Schauspiel wohlgruselig erschaudern; in Berufung darauf, einer höheren Autorität, nämlich Gott, sich verantwortlich zeigen zu müssen. ‘Wollen’ – meinetwegen.

  • … ( noch ganz viele Einträge einer langen Liste ) …

  • … und, multikulti wie wir uns nun mal erzogen haben, ein Beispiel aus dem Morgenland:
    Legt eine Heerschar von Wahnsinnigen alles in Schutt und Asche was ihren Weg kreuzt, schlitzt auf, was den Klingen ihrer Messer nichts entgegenzusetzen hat; Männer, Frauen und auch Kinder, auch eigene – im Eifer halt übersehen; sprengt, was früher Ausdruck einer gelebten Spiritualität war, sinnstiftend, Zeichen einer Identität, einer Kultur, einer Art zu denken; der IS – in Berufung darauf, einer höheren Autorität, nämlich Gott, sich verantwortlich zeigen zu müssen.

 

Vielleicht kann das jemand dem Herrn Khol mitteilen:

Gott ist nur ein idealisiertes Bild vom Glücklich- und Zufrieden-sein, in jeder Religion. Es gibt ihn nicht als Person oder Körper außerhalb von uns selbst – er existiert in uns und durch uns, und wenn er da nicht ist, ist er nicht da. Deshalb kann man sein Handeln auch nicht dadurch legitimieren, indem man es einen Gott in die Schuhe schiebt und behauptet: mein Handeln ist einer höheren Autorität verpflichtet, deshalb handle ich gut. Das Gegenteil ist der Fall:

Umso göttlicher man sich vermeint, desto unmenschlicher wird man.

Umso göttlicher man sich vermeint, desto unmenschlicher wird man. Das zeigen viele Beispiele der Geschichte, leider auch der Gegenwart. Ist einfach so, weil ja nur Gott göttlich sein kann. Deshalb ist für uns Menschen das Göttlichste, das wir tun können, menschlich zu sein. Eigentlich eh logisch! Gut, geb ich zu, nicht immer leicht in die Tat umzusetzen. Aber es gibt einen sehr guten Einstieg dazu – und das ist ein humorvoller Blick auf die Welt, ein liebevoller Gedanke, jedesmal wenn du dich zur Ruhe begibst. Das verändert viel! 🙂